Ersthelfer Psychische Gesundheit (EPG)

Was ist ein EPG?

EPG steht für Ersthelfer Psychische Gesundheit. Dies sind geschulte Ansprechpersonen, die frühe Anzeichen psychischer Belastung erkennen, Betroffene stabilisieren und sicher an professionelle Hilfe weitervermitteln. Dabei handeln sie nicht therapeutisch, sondern leisten unmittelbare, praktische und empathische Ersthilfe.

Wenn Seele stumm bleibt: Stigma und seine Folgen

Psychische Störungen und damit verbundene Krankschreibungen steigen seit Jahren — heute sind psychische Erkrankungen eine der Hauptursachen für Arbeitsausfälle in Deutschland; fast jede dritte Person erlebt im Lauf des Lebens eine entsprechende Krise. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Fehlzeiten aufgrund psychischer Störungen bei Berufstätigen um 146 Prozent erhöht (Quelle: Techniker Krankenkasse).

Depression, Angststörungen und Substanzabhängigkeitserkrankungen gehören in Deutschland zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Viele Betroffene schweigen aus Scham, Angst oder Unsicherheit und wissen nicht, wo sie Unterstützung finden können. Das trägt zum fortbestehenden Stigma bei und belastet nicht nur die einzelnen Personen, sondern auch ihr Umfeld. Alarmierend ist: etwa alle 50 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch durch Suizid – rund 75% sind Männer.

Während bei körperlichen Notfällen meist klar ist, wie man hilft, fehlen oft Routinen für seelische Krisen. Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, betriebliche Ersthelfer zu stellen, doch für innere Notlagen gibt es kaum festgelegte Ansprechpersonen. Wie reagiert man, wenn Kolleginnen und Kollegen sich stark verändern, weinen oder sich zurückziehen? Genau hier setzt EPG an: frühzeitig erkennen, sensibel ansprechen und sicher begleiten, bis professionelle Hilfe greift.

Ein EPG ist speziell ausgebildet, um frühe Warnsignale seelischer Belastung oder akuter Krisen zu erkennen und angemessen zu handeln. EPG leisten keine Therapie; sie bieten sofortige, einfühlsame Unterstützung, geben Orientierung, hören zu, stabilisieren und organisieren bei Bedarf den Übergang zu professioneller Hilfe. Kurz: die psychologische Erste Hilfe — die stabile Seitenlage für die Seele.

Psychologische Ersthilfe: Stabile Seitenlage für die Seele

Wir wollen nachhaltige Strukturen schaffen — in Betrieben, Schulen und Nachbarschaften — damit frühzeitige Hilfe zur Selbstverständlichkeit wird, Leid reduziert und rechtzeitig professionelle Versorgung ermöglicht wird. So stärken wir Resilienz auf individueller und gesellschaftlicher Ebene und machen psychische Gesundheit sichtbar und handlungsfähig. Hierzu etablieren wir den EPG auf unterschiedlichen Wegen:

EPG werden

Menschen werden qualifiziert, um anderen in psychischen Krisen sicher zur Seite zu stehen: Dazu erlernen sie Früherkennung, einfühlsame Gesprächsführung, Deeskalation, konkrete Notfallpläne u.v.m.

EPG implementieren

Unternehmen, Vereine und andere Organisationen führen EPG systematisch ein. Dadurch entsteht ein verlässliches Netzwerk aus Menschen, das Betroffene frühzeitig unterstützt und eine mögliche Eskalation verhindert.

EPG ausbilden

Erfahrene Fachpersonen werden zu EPG Trainer:innen IHK und erlangen die Ressourcen und Fähigkeiten, andere Menschen zu EPG auszubilden. Dadurch werden sie zum Fundament einer gesellschaftlichen Wende.

Feedback zur Fortbildung

Über Uns

Ein starker Partner für mentale Gesundheit

Das EPG-Konzept basiert auf über 15 Jahren praktischer Erfahrung im Bereich psychosoziale Gesundheit. Entwickelt wurde es von Norbert Hüge, dem Inhaber des Münchener Instituts für lösungsorientiertes Denken (MILD). Neben der Fortbildung hat er auch das EPG-Fachbuch veröffentlicht, das als wertvoller Begleiter zur Ausbildung dient und als Nachschlagewerk für alle gedacht ist, die sich langfristig mit mentaler Gesundheit im Alltag, im Berufsleben und in Krisensituationen auseinandersetzen möchten.